Frau schaut besorgt auf ihre Rechnungen

Juso-In­itia­ti­ve: An­griff auf mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft

Die «99-Pro­zent-In­itia­ti­ve» der Juso will Ka­pi­tal­ein­kom­men ab einem be­stimm­ten Schwel­len­wert im Um­fang von 150 Pro­zent be­steu­ern. Mass­geb­lich be­trof­fen sind Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer und Start-up-Grün­der fern­ab der ver­mö­gends­ten ein Pro­zent. Ak­tu­el­le Be­rech­nun­gen der Steu­er­ex­per­ten von Tax­part­ner be­le­gen das ex­tre­me Aus­mass der Zu­satz­be­las­tung. 

Die Co­ro­na-Pan­de­mie wird die Un­ter­neh­men noch über län­ge­re Zeit be­las­ten. Sie stellt die Über­le­bens­fä­hig­keit vie­ler KMU hart auf die Probe. Umso wich­ti­ger ist es, un­nö­ti­ge Zu­satz­be­las­tun­gen und Ri­si­ken zu ver­mei­den. Die Juso-In­itia­ti­ve kommt dabei denk­bar un­ge­le­gen. In klas­sen­kämp­fe­ri­scher Ma­nier wol­len die In­iti­an­tin­nen und In­iti­an­ten die Be­steue­rung von Ka­pi­tal­ein­kom­men ra­di­kal um­bau­en. Selbst grund­le­gen­de Ver­fas­sungs­nor­men wer­den grob miss­ach­tet. Auch des­halb hat der Vor­stand von eco­no­mie­su­is­se be­reits am 3. Sep­tem­ber früh­zei­tig und klar die Nein-Pa­ro­le ge­fasst.

Auch der brei­te Mit­tel­stand ist von der In­itia­ti­ve be­trof­fen. Die In­iti­an­tin­nen und In­iti­an­ten ver­schlei­ern dies ge­konnt durch einen bei­spiel­los vagen Ver­fas­sungs­text und des­sen will­kür­li­che Aus­le­gung. Mit Blick auf die an­ste­hen­de De­bat­te im Na­tio­nal­rat soll je­doch Klar­heit herr­schen. eco­no­mie­su­is­se hat des­halb zu­sam­men mit Swiss Fa­mi­ly Busi­ness eine Stu­die in Auf­trag ge­ge­ben. Die Be­rech­nun­gen von Tax­part­ner zei­gen die Aus­wir­kun­gen der In­itia­ti­ve in drei Be­rei­chen: auf die lau­fen­de Be­steue­rung mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men, auf die Nach­fol­ge­pla­nung bei Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men sowie auf den Ver­kauf von Start-up-Grün­der­ak­ti­en.

Nach­fol­ge­lö­sun­gen bei Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ge­fähr­det

Be­reits bei der lau­fen­den Be­steue­rung zeigt sich eine er­heb­li­che Zu­satz­be­las­tung der Un­ter­neh­mer. Das jähr­lich ver­füg­ba­re Ein­kom­men sinkt um rund 10 bis 30 Pro­zent (je nach Kan­ton). Be­son­ders gra­vie­ren­de Steu­er­fol­gen er­ge­ben sich bei Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen in Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men. Der Net­to­er­lös des ab­tre­ten­den Un­ter­neh­mers sinkt um rund einen Vier­tel bis deut­lich über die Hälf­te. Diese Mit­tel wer­den aber be­nö­tigt für den Le­bens­un­ter­halt des Pa­trons im Alter oder die Erb­tei­lung unter Ge­schwis­tern. Der Mit­tel­ab­fluss an den Staat muss damit letzt­lich vom Nach­fol­ger aus dem über­nom­me­nen Un­ter­neh­men fi­nan­ziert wer­den. Das führt not­wen­di­ger­wei­se zu einem er­heb­li­chen Ver­lust an Fir­men­sub­stanz. 

Das Ende des Start-up-Stand­orts Schweiz

Mas­siv er­schwert wird schliess­lich das Ge­schäfts­mo­dell von Start-ups. Grün­der und frühe Mit­ar­bei­ten­de geben sich man­gels Li­qui­di­tät des Jung­un­ter­neh­mens oft mit sehr mo­dera­ten Löh­nen zu­frie­den. Ent­schä­digt wer­den sie dafür beim spä­te­ren Ver­kauf ihrer Grün­der- und Mit­ar­bei­ter­ak­ti­en. Mit der Juso-In­itia­ti­ve sinkt der Net­to­er­lös je­doch um rund einen Vier­tel bis deut­lich über die Hälf­te. Start-up-Grün­der wer­den die Schweiz als Stand­ort künf­tig mei­den oder ihre Fir­men vor dem Ver­kauf in an­de­re Län­der ver­le­gen. 
 

 

Wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen aus der Stu­die «Aus­wir­kun­gen einer Ka­pi­tal­ein­kom­mens­be­steue­rung im Um­fang von 150 Pro­zent auf mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men und be­son­ders Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men in der Schweiz» (Zü­rich, Au­gust 2020) von Tax­part­ner fin­den Sie unter fol­gen­den Links:

Kurz­zu­sam­men­fas­sung der Er­geb­nis­se


Exe­cu­ti­ve Sum­ma­ry


Voll­stän­di­ge Stu­die

Fall­bei­spie­le

Her­stel­lung und Ver­trieb von Leis­tun­gen für das Was­ser-Ma­nage­ment im Haus (Sa­ni­tär und Hei­zung)
Grün­dung 1903, heute gegen 500 Mit­ar­bei­ten­de (alle in der Schweiz)

Bei einer Be­steue­rung un­se­rer Di­vi­den­den auf der Basis von 150 Pro­zen, an­stel­le heute 70 Pro­zent, wür­den sich un­se­re netto Di­vi­den­den­er­trä­ge mehr als hal­bie­ren.

Damit wäre eine (in rund 10 bis 15 Jah­ren be­vor­ste­hen­de) Un­ter­neh­mens­über­ga­be auf die 5. Ge­ne­ra­ti­on in ver­gleich­ba­rer Art, wie diese vor 25 Jah­ren von der 3. auf die 4. Ge­ne­ra­ti­on statt­fand, nicht mehr mög­lich.

Wür­den wir an­de­rer­seits die Di­vi­den­den­aus­schüt­tung zum Aus­gleich um min­des­tens 50 Pro­zent er­hö­hen, würde dem Un­ter­neh­men zu viel Geld ent­zo­gen, un­se­re jähr­li­chen (stets hohen) In­ves­ti­ti­ons­vor­ha­ben wären nicht mehr fi­nan­zier­bar.

Unter die­sen Um­stän­den wäre eine nächs­te Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge in­ner­halb der Fa­mi­lie fi­nan­zi­ell nicht zu stem­men und wir müss­ten län­ger­fris­tig, bei An­nah­me die­ser fahr­läs­si­gen In­itia­ti­ve, einen Ver­kauf un­se­res Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens an Drit­te ins Auge fas­sen.

Dr. Roy Nuss­baum und Urs Nuss­baum
Haupt­ak­tio­nä­re, De­le­gier­te des VR, Vor­ste­hen­de der GL
 

Ent­wick­lung und Fer­ti­gung von Pro­duk­ten im Be­reich der Li­ne­ar­tech­no­lo­gie
Grün­dung 1923, heute welt­weit rund 1400 Mit­ar­bei­ten­de

Ich führe un­se­re Un­ter­neh­mens­grup­pe in der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on und wir sind im Be­griff, den Über­gang an die 4. Ge­ne­ra­ti­on zu or­ga­ni­sie­ren. Bei einer Be­steue­rung der Di­vi­den­den auf der Basis von 150 Pro­zent, an­stel­le von heute 70 Pro­zent (Stufe Bund) und 50 Pro­zent (Stufe Kan­ton), wer­den sich die netto Di­vi­den­den­er­trä­ge mehr als hal­bie­ren. Dies würde ein Über­gang an die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on im Rah­men der be­ste­hen­den erbrecht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der Schweiz schwie­rig ma­chen.

Um die durch die In­itia­ti­ve ent­ste­hen­de Zu­satz­be­las­tung zu tra­gen, müss­ten ent­we­der der Firma zu­sätz­li­che Mit­tel ent­zo­gen wer­den, was die zu­künf­ti­ge Ent­wick­lung und damit die Zu­kunfts­fä­hig­keit der Un­ter­neh­mens­grup­pe in be­deu­ten­dem Masse ne­ga­tiv be­ein­flus­sen würde, oder aber es müss­te eine ex­ter­ne Lö­sung ge­fun­den wer­den. Wirt­schaft­lich be­trach­tet sind beide Sze­na­ri­en so­wohl aus Sicht der Fir­men­grup­pe wie auch aus Sicht der Mit­ar­bei­ten­den zu ver­mei­den.

Dr. Hans-Mar­tin Schnee­ber­ger
Ei­gen­tü­mer und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent

Im­mo­bi­li­en­be­wirt­schaf­tung und Fach­märk­te für Heim­tex­ti­li­en und Be­klei­dungs­stof­fe 
Grün­dung 1841, heute rund 150 Mit­ar­bei­ten­de (alle in der Schweiz)

Mit der 99%-In­itia­ti­ve der Juso wird der Un­ter­neh­mer­geist in der Schweiz lang­sam aber si­cher er­stickt. Die In­itia­ti­ve führt dazu, dass mehr Mit­tel aus den Un­ter­neh­men ab­flies­sen müs­sen – nur damit der Un­ter­neh­mer die mas­siv hö­he­ren Steu­ern be­zah­len kann. Ein Un­sinn son­der­glei­chen!

Als di­rekt be­trof­fe­ner Un­ter­neh­mer müss­te ich deut­lich über 50 Pro­zent mehr Steu­ern be­zah­len – jedes Jahr. Ohne zu­sätz­li­che Mit­tel aus dem Un­ter­neh­men könn­te ich die jähr­li­che Steu­er­rech­nung gar nicht be­zah­len.

Es stellt sich die Frage, wer noch be­reit sein wird oder kann, un­ter­neh­me­ri­sches Ri­si­ko zu tra­gen, wenn die völ­lig über­ris­se­ne Be­steue­rung dazu führt, dass dem Un­ter­neh­men lau­fend fi­nan­zi­el­le Mit­tel ent­zo­gen wer­den müs­sen. Mehr denn je sind Un­ter­neh­mer dar­auf an­ge­wie­sen, in Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on in­ves­tie­ren zu kön­nen, um die Ar­beits­plät­ze si­chern und auf­bau­en zu kön­nen. 

Tho­mas Isler
Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent