Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm: Fra­gen nach dem Nicht­ein­tre­tensent­scheid

Der Stän­de­rat ist dem An­trag sei­ner Kom­mis­si­on ge­folgt und hat be­schlos­sen, auf das Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm für den Bun­des­haus­halt nicht ein­zu­tre­ten. Der Ent­scheid wirft vor allem mit Blick auf die Auf­ga­ben­über­prü­fung Fra­gen auf.

​Der Stän­de­rat hat ent­schie­den, nicht auf das ge­plan­te Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm ein­zu­tre­ten. Be­weg­grund waren die Haus­halt­zah­len für die Jahre 2012 und 2013, die vom Bun­des­rat im Ja­nu­ar re­vi­diert wur­den. Im Jahr 2012 sehen die neuen Zah­len einen Über­schuss von gegen 600 Mil­lio­nen Fran­ken vor, in den Fol­ge­jah­ren bis 2015 sol­len die Er­geb­nis­se un­ge­fähr aus­ge­gli­chen sein. Die Zah­len ba­sie­ren auf der An­nah­me, dass sämt­li­che Teile des nun in einem ers­ten Be­ra­tungs­durch­lauf ab­ge­lehn­ten Kon­so­li­die­rungs­pro­gramms um­ge­setzt wer­den aus­ser der Auf­ga­ben­über­prü­fung. Diese hätte zu­sätz­li­che Ent­las­tun­gen von 280 Mil­lio­nen Fran­ken ge­bracht. Die üb­ri­gen Teile des Kon­so­li­die­rungs­pro­gramms plant der Bun­des­rat im Rah­men der jähr­li­chen Vor­an­schlä­ge um­zu­set­zen. Es han­delt sich um Bud­get­kor­rek­tu­ren, die wie die Kom­pen­sa­ti­on vor­ge­zo­ge­ner In­ves­ti­tio­nen oder die Re­duk­ti­on zu hoher Teue­rungs­an­nah­men weit­ge­hend selbst­ver­ständ­lich sind. Im In­ter­es­se eines or­dent­li­chen Pla­nungs­pro­zes­ses sind die Mass­nah­men wie vor­ge­se­hen ohne Ab­stri­che um­zu­set­zen. 

Fra­gen stel­len sich zur Auf­ga­ben­über­prü­fung. Für das Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm hatte der Bun­des­rat klei­ne­re, kurz- und mit­tel­fris­tig um­setz­ba­re Mass­nah­men ge­plant. Die Um­set­zung hätte einen ers­ten Schritt in das seit Jah­ren dis­ku­tier­te und immer wie­der ver­scho­be­ne stra­te­gi­sche Pro­jekt ge­bracht. Teil­wei­se zu Recht wurde der Bun­des­rat dafür kri­ti­siert, dass es mit dem Vor­ha­ben nicht vor­wärts ging. Dass nun ge­ra­de vom Par­la­ment, das zu den ers­ten Kri­ti­kern ge­hört, ein Si­gnal der Ab­leh­nung ge­sandt wurde, ist im Sinne einer ver­pass­ten Chan­ce be­dau­er­lich. Soll es mit der Auf­ga­ben­über­prü­fung – über deren Rich­tig­keit und mehr noch Not­wen­dig­keit zu­min­dest in den bür­ger­li­chen Rei­hen brei­te Ei­nig­keit be­steht – der­einst ernst sein, muss mit der Dis­kus­si­on am kon­kre­ten Ob­jekt an ir­gend­ei­nem Punkt be­gon­nen wer­den. Das Ar­gu­ment, dass man die En­er­gi­en nicht am Klei­nen ver­schwen­den soll, wirkt dabei wenig über­zeu­gend. Wie das jüngs­te Schei­tern von Vor­la­gen im Ge­sund­heits- und So­zi­al­be­reich zeigt, tut sich das Par­la­ment mit grös­se­ren Re­for­men erst recht schwer. Was im Klei­nen nicht ge­lingt, dürf­te im Gros­sen nicht ein­fa­cher sein.

Der Na­tio­nal­rat, der nun das Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm be­ra­ten muss, hat es in der Hand, den Nebel um den par­la­men­ta­ri­schen Wil­len zur Prü­fung von grund­le­gen­den Fra­gen zum staat­li­chen Han­deln etwas zu lich­ten und mit kon­kre­ten Schrit­ten erste Wei­chen zu stel­len. Die Be­stä­ti­gung des Nicht­ein­tre­tensent­scheids wäre in sei­ner Wir­kung für das wei­te­re Schick­sal der Auf­ga­ben­über­prü­fung klar un­güns­tig. Ab­sichts­er­klä­run­gen lösen keine Pro­ble­me. Dass diese im Fi­nanz­be­reich emi­nent be­ste­hen, hat auch diese Ses­si­on wie­der ge­zeigt: Der Na­tio­nal­rat will Kampf­flug­zeu­ge kau­fen, für deren Fi­nan­zie­rung im aus­ge­las­te­ten Haus­halt des Bun­des nicht ein Fran­ken zur Ver­fü­gung steht.