Hand hält Glühbirne vor Kreidezeichnung einer Zielscheibe mit einem Pfeil drinn

Ziel­ge­rich­te­te Co­ro­na-Hilfe durch Kan­to­ne und Ge­mein­den

Nicht nur der Bund un­ter­stützt not­lei­den­de Un­ter­neh­men und Selbst­stän­di­ger­wer­ben­de in der ge­gen­wär­ti­gen Krise, son­dern auch die Kan­to­ne und Ge­mein­den. Diese Mass­nah­men, eng ko­or­di­niert mit den kan­to­na­len Wirt­schafts­ver­bän­den, sind sehr ef­fi­zi­ent, weil sie auf die re­gio­na­len Be­dürf­nis­se ab­ge­stimmt sind. Lei­der wird das gerne über­se­hen, um statt­des­sen wei­te­re gros­se Geld­sprit­zen auf Bun­des­ebe­ne zu for­dern.

Die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie auf die Schwei­zer Wirt­schaft sind mas­siv, aber mas­siv ist auch das mil­li­ar­den­schwe­re Hilfs­pa­ket, das der Bund ge­schnürt hat. Über Kurz­ar­beits­ent­schä­di­gun­gen und Bürg­schaf­ten greift er den Un­ter­neh­men rasch und un­bü­ro­kra­tisch unter die Arme. Trotz­dem wer­den täg­lich Rufe laut, die noch mehr Geld ein­for­dern – in zwölf­stel­li­ger Höhe. Diese For­de­run­gen nach einer Öff­nung der Tre­so­re wer­den ab­wechs­lungs­wei­se an den Bund oder an die Na­tio­nal­bank ge­rich­tet, bei­spiels­wei­se zur Fi­nan­zie­rung eines be­din­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens, ob­wohl die Stimm­be­rech­tig­ten ein sol­ches 2016 mit 77 Pro­zent Nein-Stim­men ab­ge­lehnt haben.

Gross­zü­gi­ge Hilfe, auch in klei­nen Kan­to­nen

Was die Kri­ti­ker gerne über­se­hen: In der ge­gen­wär­ti­gen Krise hat nicht nur der Bund Hilfs­mass­nah­men be­schlos­sen. Auch die Kan­to­ne und viele Ge­mein­den eilen den KMU und Selbst­stän­di­ger­wer­ben­den in ihrer Re­gi­on zu Hilfe und set­zen Un­ter­stüt­zungs­mass­nah­men um. 

Nach heu­ti­gem Stand pla­nen al­lein die Kan­to­ne, mehr als 250 Mil­lio­nen Fran­ken als A-fonds-perdu-Kre­di­te und 1,5 Mil­li­ar­den Fran­ken als rück­zahl­ba­re Dar­le­hen be­reit­zu­stel­len. Und diese Mass­nah­men be­schrän­ken sich kei­nes­wegs nur auf die gros­sen Wirt­schafts­stand­or­te. Auch Ap­pen­zell-In­ner­rho­den hat be­reits 3,5 Mil­lio­nen, Ob­wal­den 5 Mil­lio­nen Fran­ken frei­ge­ge­ben. Auch viele Städ­te und Ge­mein­den ge­wäh­ren un­kom­pli­zier­te wirt­schaft­li­che Not­hil­fe, ins­be­son­de­re für Selbst­stän­di­ger­wer­ben­de.

Mehr als nur Geld­zah­lun­gen

Di­rek­te Geld­zah­lun­gen oder Kre­di­te zur Über­brü­ckung von Li­qui­di­täts­eng­päs­sen sind aber nicht alles. Meh­re­re Kan­to­ne haben be­schlos­sen, ihre of­fe­nen Rech­nun­gen um­ge­hend zu be­glei­chen, um­ge­kehrt aber die Zah­lungs­fris­ten ihrer De­bi­to­ren zu ver­län­gern. Ver­zugs­zins­sät­ze wer­den ge­senkt, Tou­ris­mus­ab­ga­ben sis­tiert, Steu­er­ra­ten an­ge­passt oder Di­rekt­zah­lun­gen an die Land­wirt­schaft vor­ge­zo­gen. Bud­ge­tier­te Un­ter­stüt­zungs­bei­trä­ge für an­nul­lier­te Sport­an­läs­se sowie tou­ris­ti­sche und kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen wer­den in ver­schie­de­nen Kan­to­nen und bei­spiels­wei­se in der Stadt Zü­rich trotz­dem aus­be­zahlt, um be­reits ent­stan­de­ne Kos­ten zu de­cken. In der West­schweiz ver­zich­ten zudem meh­re­re Städ­te auf die Miet­zins­for­de­run­gen an Ge­schäf­te in ihren Lie­gen­schaf­ten – al­lein in der Stadt Genf in der Höhe von 1,2 Mil­lio­nen Fran­ken.

Diese Viel­zahl an Mass­nah­men auf kan­to­na­ler und kom­mu­na­ler Ebene ist ein ty­pisch schwei­ze­ri­scher Lö­sungs­an­satz und folgt dem Prin­zip der Sub­si­dia­ri­tät. An­statt mög­lichst viel mit der zen­tral­staat­li­chen Giess­kan­ne zu ver­tei­len, wird die Hilfe dort or­ga­ni­siert, wo man die re­gio­na­len Be­ge­ben­hei­ten und Er­for­der­nis­se am bes­ten kennt. Die Hilfe der Kan­to­ne und Ge­mein­den ist ent­spre­chend ef­fi­zi­en­ter, um lo­ka­le und re­gio­na­le Pro­ble­me zu lösen. Wäh­rend ver­schie­de­ne Ak­teu­re den Bund fort­lau­fend auf­for­dern, noch mehr zu tun, geht gerne ver­ges­sen, dass auch die un­te­ren staat­li­chen Ebe­nen be­deu­ten­de Mit­tel in die Be­wäl­ti­gung die­ser Krise in­ves­tie­ren. eco­no­mie­su­is­se be­grüsst die­ses gros­se En­ga­ge­ment der Kan­to­ne und Ge­mein­den und die kon­struk­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit der po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger mit den kan­to­na­len Wirt­schafts­ver­bän­den.