Fachkräftemangel

Staat schnappt Pri­vat­wirt­schaft Fach­kräf­te weg!

Der Fach­kräf­te­man­gel ver­schärft sich in der Pri­vat­wirt­schaft. Doch der Staat hat keine Mühe, ge­eig­ne­tes Per­so­nal zu fin­den, weil er mehr als die Wirt­schaft zahlt.

Die Löhne in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung sind deut­lich höher als für ver­gleich­ba­re Tä­tig­kei­ten in der Pri­vat­wirt­schaft. Wer beim Staat an­ge­stellt ist, pro­fi­tiert von einem deut­li­chen Lohn­zu­schlag. Zu die­sem Schluss kommt eine viel­be­ach­te­te Stu­die des In­sti­tuts für Schwei­zer Wirt­schafts­po­li­tik (IWP) aus dem Jahr 2023. Die Au­to­ren haben in ihrer Ana­ly­se gleich­wer­ti­ge Stel­len und Ar­beits­kräf­te aus der Ver­wal­tung und der Pri­vat­wirt­schaft ver­gli­chen. Eine Neu­auf­la­ge der Stu­die aus dem Jahr 2024 be­stä­tigt den ers­ten Be­fund. Ein An­ge­stell­ter ver­dient in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung mehr, als er mit sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on und in sei­nem Alter in einem ver­gleich­ba­ren Job in der Pri­vat­wirt­schaft er­hal­ten würde. Am gröss­ten ist die Lohn­prä­mie beim Bund: Hier be­trägt sie im Durch­schnitt 12 Pro­zent.

Fach­kräf­te­man­gel ist für die Ver­wal­tung kein Thema

Der Staat kann bei den An­stel­lungs­be­din­gun­gen mit der gros­sen Kelle an­rich­ten. Kein Wun­der, dass die öf­fent­li­che Ver­wal­tung vom zu­neh­men­den Fach­kräf­te­man­gel kaum be­trof­fen ist. Dies zeigt der Fach­kräft­e­in­dex von BSS Volks­wirt­schaft­li­che Be­ra­tung. Der Index fasst die vier In­di­ka­to­ren De­ckungs­grad, Zu­wan­de­rungs­quo­te, Ar­beits­lo­sen­quo­te und die Quote der of­fe­nen Stel­len in einer Kenn­zahl zu­sam­men. Der Index wurde 2010 zum ers­ten Mal er­ho­ben und star­te­te für alle Bran­chen bei 100. Die Zah­len zei­gen, dass sich der Man­gel in den letz­ten Jah­ren in der Ge­samt­wirt­schaft lau­fend ver­schärft hat (38% mehr im Jahr 2023). Nur wäh­rend der Aus­nah­me­si­tua­ti­on Co­ro­na gab es einen tem­po­rä­ren Rück­gang. Prak­tisch alle Bran­chen haben zu­neh­mend Mühe, die nö­ti­gen Fach­kräf­te auf dem Ar­beits­markt zu fin­den. Eine der we­ni­gen Aus­nah­men bil­det die öf­fent­li­che Ver­wal­tung.

 

 

Ver­wal­tung und Pri­va­te kon­kur­rie­ren um Fach­kräf­te

Die Pri­vat­wirt­schaft lei­det unter dem zu­neh­men­den Fach­kräf­te­man­gel. Stark be­trof­fen sind Bran­chen wie die Fi­nanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tun­gen, sons­ti­ge wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen sowie die In­for­ma­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ge­ra­de in die­sen Be­rei­chen wer­den Fach­kräf­te be­nö­tigt, die auch in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung zahl­reich be­schäf­tigt sind. Re­kru­tiert wer­den diese Fach­kräf­te so­wohl vom Staat als auch von den pri­va­ten Un­ter­neh­men am glei­chen Ar­beits­markt. Doch wäh­rend die Pri­va­ten zu­neh­mend Schwie­rig­kei­ten haben, Fach­kräf­te zu fin­den, bleibt die Si­tua­ti­on für die öf­fent­li­che Ver­wal­tung dank der gross­zü­gi­gen Lohn­prä­mie un­ver­än­dert kom­for­ta­bel. Die Si­tua­ti­on ist ab­surd: Der Staat kon­kur­ren­ziert die Pri­va­ten am Ar­beits­markt. Weil er hö­he­re Löhne zah­len kann, be­kommt er pro­blem­los die be­nö­tig­ten Fach­kräf­te. Diese feh­len dann am Ar­beits­markt, was den Man­gel für die Un­ter­neh­men wei­ter ver­schärft. Und be­zahlt wird das Ganze unter an­de­rem mit den Steu­ern der Un­ter­neh­men, die auf dem Ar­beits­markt gegen den Staat ver­lie­ren.