Gegen die Ein­füh­rung der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit – für das Pri­mat der De­mo­kra­tie

Die Rechts­kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats will die Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit er­wei­tern. Sie hat eine ent­spre­chen­de par­la­men­ta­ri­sche In­itia­ti­ve aus­ge­ar­bei­tet. eco­no­mie­su­is­se lehnt die Ein­füh­rung der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit aus staats­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen je­doch ab.
Bun­des­ge­set­ze und Völ­ker­recht sind für das Bun­des­ge­richt und die an­de­ren rechts­an­wen­den­den Be­hör­den ver­bind­lich. Im Ge­gen­satz zu den meis­ten an­de­ren Län­dern kennt die Schweiz für Bun­des­ge­set­ze und völ­ker­recht­li­che Be­stim­mun­gen keine Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit. Diese Frage wird in der Schweiz seit jeher kon­tro­vers dis­ku­tiert. Es geht letzt­lich um den Ent­scheid, ob die De­mo­kra­tie oder der Richter­staat Vor­rang haben soll.

Die Mehr­heit der Rechts­kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats schlägt vor, Ar­ti­kel 190 der Bun­des­ver­fas­sung zu strei­chen und die Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit auch für Bun­des­ge­set­ze und völ­ker­recht­li­che Be­stim­mun­gen ein­zu­füh­ren. Eine Kom­mis­si­ons­min­der­heit möch­te am In­halt des gel­ten­den Ar­ti­kels fest­hal­ten und le­dig­lich den Grund­satz ein­schrän­ken, wo­nach Bun­des­ge­set­ze selbst bei Ver­fas­sungs­wid­rig­keit für die Be­hör­den mass­ge­bend sind.

Aus grund­sätz­li­chen staats­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen be­grüsst die Wirt­schaft bei der kon­kre­ten An­wend­bar­keit von Bun­des­ge­set­zen und völ­ker­recht­li­chen Be­stim­mun­gen das Pri­mat der De­mo­kra­tie. Ein Hand­lungs­be­darf, die an­läss­lich der Jus­tiz­re­form als po­li­ti­schen Kom­pro­miss be­stä­tig­te Bei­be­hal­tung der feh­len­den Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit von Bun­des­ge­set­zen und völ­ker­recht­li­chen Be­stim­mun­gen auf­zu­he­ben, be­steht aus Sicht der Wirt­schaft nicht.

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Ver­nehm­las­sungs­ant­wort zur Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit