EU-Trans­port­kom­mis­sar rügt Deutsch­land

An­läss­lich des Eu­ro­pean Rail Traf­fic Ma­nage­ment Sys­tem (ERTMS)-Gip­fels in Ko­pen­ha­gen Mitte April hat der Trans­port­kom­mis­sar Siim Kal­las Deutsch­land wegen Sis­tie­rung ver­schie­de­ner In­ves­ti­tio­nen in die Bahn­in­fra­struk­tur ge­rügt. Ex­pli­zit er­wähnt wurde der Kor­ri­dor Rot­ter­dam – Genua, der neben den Nie­der­lan­den, Deutsch­land und Ita­li­en auch die Schweiz um­fasst.

Der Trans­port­kom­mis­sar Siim Kal­las kri­ti­sier­te Deutsch­land, ohne es beim Namen zu nen­nen, be­züg­lich der Frage der Ein­füh­rung des eu­ro­pa­weit ein­heit­li­chen Zu­gleit- und Steue­rungs­sys­tems ERTMS. Die­ses soll die na­tio­na­len in­kom­pa­ti­blen Ei­sen­bahn­steue­rungs­sys­te­me er­set­zen. Es sei «in­ak­zep­ta­bel», so Kal­las, dass ge­wis­se Län­der die Ein­füh­rung die­ses Sys­tems auf­hiel­ten, indem sie sich wei­ger­ten, in die Kor­ri­do­re auf ihrem Ter­ri­to­ri­um zu in­ves­tie­ren.

Dies war eine An­spie­lung auf den Ent­scheid Deutsch­lands im Som­mer 2011, die nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen auf­zu­schie­ben. Als Bei­spiel führ­te der Kom­mis­sar dabei den Kor­ri­dor Rot­ter­dam – Genua an: Er be­daue­re den Um­stand, dass «ein In­ves­ti­ti­ons­stau in einem Land ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den gan­zen Kor­ri­dor habe und somit den Wert der ERTMS-Ein­füh­rung in den Nach­bar­län­dern ver­min­de­re».

Deutsch­land schätzt die Um­stel­lungs­kos­ten im ei­ge­nen Ge­biet auf etwa 4,5 Mil­li­ar­den Euro; diese Zahl wird von der Kom­mis­si­on in­fra­ge ge­stellt. Zwar ak­zep­tiert die Kom­mis­si­on, dass die Mit­glieds­staa­ten bei ihren In­ves­ti­ti­ons­pro­gram­men re­gio­na­le und na­tio­na­le Be­dürf­nis­se be­rück­sich­ti­gen und Prio­ri­sie­run­gen vor­neh­men. Zu­gleich mach­te der Kom­mis­sar aber auch klar, dass es zu ERTMS keine Al­ter­na­ti­ve gibt.

Be­reits im Fe­bru­ar in­for­mier­te Kal­las den deut­schen Ver­kehrs­mi­nis­ter Peter Ram­sau­er, dass die Kom­mis­si­on bis Ende 2012 De­tail­pla­nun­gen für die Aus­rüs­tung der wich­tigs­ten Kor­ri­do­re mit ERTMS bis 2015 er­war­te. Die­ses Datum ist ge­mäs­se der Kom­mis­si­on ver­bind­lich. So wie­der­hol­te auch Kal­las, dass «alles getan wer­den muss, um die 2015-Frist zu er­fül­len».

Da an­de­re Län­der (Frank­reich, Polen, Ita­li­en) die schnel­le Um­set­zung von ERTMS (das unter an­de­rem das Eu­ro­pean Train Con­trol Sys­tem ETCS be­inhal­tet) aus Bud­get­man­gel eben­falls ver­zö­gern, ist die Schweiz (wie­der ein­mal) ein­sa­me Vor­rei­te­rin bei der Ein­füh­rung des neuen Sys­tems.

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