Sparschwein

Fi­nanz­plan: AHV ist star­ker Aus­ga­ben­trei­ber

Das Wich­tigs­te in Kürze:

  • Der Fi­nanz­plan des Bun­des für die Jahre 2026 bis 2028 zeigt ein star­kes Aus­ga­ben­wachs­tum.
  • Neben der Armee ist die AHV der stärks­te Aus­ga­ben­trei­ber. Die AHV-Aus­ga­ben des Bun­des ver­drän­gen zu­neh­mend an­de­re Bun­des­auf­ga­ben.
  • Die be­fris­te­te Fle­xi­bi­li­sie­rung des AHV-Bun­des­bei­trags ist des­halb eine sinn­vol­le und rasch wirk­sa­me Mass­nah­me.

Der Fi­nanz­plan 2026 bis 2028 wird in der Win­ter­ses­si­on vom Par­la­ment als An­hang zum Bud­get 2025 be­schlos­sen. Im Ge­gen­satz zum Bud­get muss der Fi­nanz­plan die Vor­ga­ben der Schul­den­brem­se nicht er­fül­len. Das wäre auch nur schwer mög­lich, denn die De­fi­zi­te des Bun­des stei­gen in den nächs­ten Jah­ren auf meh­re­re Mil­li­ar­den Fran­ken. Der Grund dafür ist die immer grös­ser wer­den­de Lücke zwi­schen den Ein­nah­men und den Aus­ga­ben. Das Pro­blem liegt je­doch nicht bei den Ein­nah­men. Sie wach­sen mit 3 Pro­zent stär­ker als die Wirt­schaft (2.7 Pro­zent).

Das Pro­blem liegt bei den Aus­ga­ben, die mit durch­schnitt­lich 3.5 Pro­zent noch stär­ker wach­sen. Prak­tisch alle Auf­ga­ben­ge­bie­te ver­zeich­nen ein Wachs­tum, wobei die Ar­mee­aus­ga­ben und die Aus­ga­ben für die AHV am stärks­ten zu­neh­men. Wei­te­re Aus­ga­ben­schwer­punk­te lie­gen bei der in­di­vi­du­el­len Prä­mi­en­ver­bil­li­gung, bei der fa­mi­li­en­er­gän­zen­den Kin­der­be­treu­ung, bei För­der­mass­nah­men im En­er­gie­be­reich und im Fi­nanz­aus­gleich.

Gröss­ter Aus­ga­ben­pos­ten des Bun­des: AHV bin­det immer mehr Mit­tel

Wäh­rend die lang­fris­ti­ge Ar­mee­fi­nan­zie­rung das gros­se Thema der Bud­get­de­bat­te sein dürf­te (siehe Bei­trag zum Bud­get 2025), ak­zen­tu­iert sich im Fi­nanz­plan die AHV-The­ma­tik. Der Bund fi­nan­ziert per Ge­setz einen Fünf­tel (20.2%) der Al­ters­ren­ten. Die Ren­ten­aus­ga­ben stei­gen wegen der De­mo­gra­fie seit Jah­ren ste­tig an (Pen­sio­nie­rung der Ba­by­boo­mer und hö­he­re Le­bens­er­war­tung). Ent­spre­chend nimmt auch der AHV-Bun­des­bei­trag ste­tig zu. Im Fi­nanz­plan schlägt sich das mit jähr­li­chen Mehr­aus­ga­ben von rund 400 Mil­lio­nen Fran­ken nie­der (ohne 13. AHV-Rente).

Der AHV-Bei­trag ist mit gut 11 Mil­li­ar­den Fran­ken schon heute der mit Ab­stand gröss­te Aus­ga­ben­pos­ten des Bun­des. Kein an­de­rer Auf­ga­ben­be­reich er­hält so viele Mit­tel wie die AHV. Auf­grund der Aus­zah­lung der 13. AHV-Rente ab Ende 2026 neh­men die Aus­ga­ben noch stär­ker zu, und zwar um knapp eine Mil­li­ar­de Fran­ken pro Jahr. 2028 wird der Bund rund be­reits 12 Mil­li­ar­den Fran­ken an die AHV be­zah­len, Ten­denz stei­gend. Der Ein­druck, dass der Bund für alles Geld aus­gibt, aus­ser für die Al­ters­vor­sor­ge, ent­spricht nicht den Tat­sa­chen.

AHV-Aus­ga­ben ver­drän­gen an­de­re wich­ti­ge Aus­ga­ben

Weil die AHV-Aus­ga­ben stär­ker stei­gen als die Ein­nah­men, steht für an­de­re Auf­ga­ben immer we­ni­ger Geld zur Ver­fü­gung. Die­ser Ver­drän­gungs­pro­zess fin­det schon seit län­ge­rer Zeit statt. Er führt schlei­chend zu einer qua­li­ta­ti­ven Ver­schlech­te­rung des Bun­des­haus­halts, weil die­ser da­durch immer ein­sei­ti­ger wird. Die über­pro­por­tio­nal stei­gen­den AHV-Aus­ga­ben sind auch ein Haupt­grund, wes­halb der Bund in den kom­men­den Jah­ren ein brei­tes Ent­las­tungs­pa­ket um­set­zen muss, das in allen Auf­ga­ben­bie­ten des Bun­des Ab­stri­che er­for­dert. Das Pro­blem wird an­dau­ern, so­lan­ge die Dy­na­mik der AHV-Aus­ga­ben nicht ge­bro­chen wird. Der Bund ver­liert zu­se­hends mehr fi­nan­zi­el­le Fle­xi­bi­li­tät und Hand­lungs­fä­hig­keit.

Sen­kung des Bun­des­bei­trags ge­fähr­det AHV nicht

Das Pro­blem ist be­kannt, und die Po­li­tik kann etwas da­ge­gen tun. So hat der Bun­des­rat be­schlos­sen, den Bun­des­bei­trag an die AHV zwi­schen 2026 und der nächs­ten gros­sen AHV-Re­form (ca. 2031) auf 19.5 Pro­zent zu sen­ken. Damit be­tei­ligt sich der Bund zwar mit 500 Mil­lio­nen Fran­ken an den Kos­ten der 13. AHV-Rente; die Mehr­be­las­tung des Haus­halts kann aber den­noch etwas in Gren­zen ge­hal­ten wer­den. Die Mass­nah­me wird im Rah­men der Vor­la­ge zur Fi­nan­zie­rung der 13. AHV-Rente be­ra­ten. Sie zeigt, dass es mög­lich ist, auch bei ge­setz­lich ge­bun­de­nen Aus­ga­ben we­nigs­tens für eine Über­gangs­zeit rasch wirk­sa­me Lö­sun­gen zu fin­den. Ähn­lich ist das Par­la­ment beim Bun­des­bei­trag an die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung vor­ge­gan­gen. Auch dort hat man eine tem­po­rä­re Sen­kung zur Ent­las­tung des Haus­halts be­schlos­sen. In bei­den Fäl­len sind die Kür­zun­gen ver­kraft­bar und stel­len das gute Funk­tio­nie­ren der Ver­si­che­run­gen nicht in Frage.

Län­ger­fris­tig sind aber Lö­sun­gen nötig, die das Pro­blem an der Wur­zel pa­cken. Dazu ge­hört, ganz zen­tral, die Ent­flech­tung der AHV vom Bun­des­haus­halt. Der Bun­des­rat wird diese Mass­nah­me im kom­men­den Ent­las­tungs­pa­ket vor­schla­gen. Die Mass­nah­me sieht vor, dass die AHV-Aus­ga­ben des Bun­des an die Ent­wick­lung der Mehr­wert­steu­er ge­kop­pelt wer­den. Weil die Mehr­wert­steu­er­ein­nah­men durch­schnitt­lich wach­sen (in der Regel ent­lang dem BIP), würde das Wachs­tum der AHV-Aus­ga­ben ge­gen­über heute ab­ge­flacht. Ein wei­te­res Ver­drän­gen an­de­rer Auf­ga­ben könn­te fort­an ver­mie­den wer­den. Der Vor­schlag der Ent­flech­tung ist nicht neu und hat sich in der Pra­xis be­währt: Er ent­spricht der bei der In­va­li­den­ver­si­che­rung (IV) schon vor über zehn Jah­ren ge­trof­fe­nen Lö­sung.

Mit der vor­über­ge­hen­den Sen­kung des Bun­des­bei­trags an die AHV und der Ent­flech­tung der AHV vom Bun­des­haus­halt lie­gen zwei valable Vor­schlä­ge auf dem Tisch, wie die Mehr­be­las­tun­gen des Bun­des im Be­reich der AHV und damit die De­fi­zi­te im Fi­nanz­plan re­du­ziert wer­den kön­nen.