Letz­tes Schul­den­schlupf­loch bei den So­zi­al­wer­ken schlies­sen

An­ders als zahl­rei­che In­dus­trie­staa­ten hat die Schweiz dank der Schul­den­brem­se nach­hal­ti­ge und damit so­li­de Fi­nan­zen. In den meis­ten Kan­to­nen kennt man die­ses In­stru­ment seit Län­ge­rem. Auch der Bund macht seit Ein­füh­rung der Schul­den­brem­se vor etwa zehn Jah­ren gute Er­fah­run­gen mit die­sem be­währ­ten In­stru­ment, das er­folg­reich auch auf aus­ser­bud­ge­tä­re Vor­gän­ge aus­ge­wei­tet wurde.

​Noch be­steht aber ein letz­tes, be­sorg­nis­er­re­gend gros­ses Schul­den­schlupf­loch auf Bun­des­stu­fe: die So­zi­al­ver­si­che­run­gen. Für sie gilt die Schul­den­brem­se nicht. Die So­zia­le Wohl­fahrt be­an­sprucht je­doch immer mehr Geld. In­zwi­schen fliesst jeder drit­te Fran­ken des Bun­des­bud­gets in die So­zi­al­wer­ke, von denen meh­re­re sa­nie­rungs­be­dürf­tig sind. So hat die In­va­li­den­ver­si­che­rung 15 Mil­li­ar­den Fran­ken Schul­den bei der AHV. Und auch die AHV steht in­fol­ge der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung vor fi­nan­zi­el­len Her­aus­for­de­run­gen. Damit ste­hen immer we­ni­ger Mit­tel für In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung und In­fra­struk­tu­ren zur Ver­fü­gung.

Des­halb braucht es in Zu­kunft auch für die So­zi­al­wer­ke eine Art Schul­den­brem­se. eco­no­mie­su­is­se hat mit dem Ar­beit­ge­ber- und dem Ge­wer­be­ver­band einen Lö­sungs­vor­schlag in die po­li­ti­sche Dis­kus­si­on ein­ge­bracht. Sta­bi­li­sie­rungs­re­geln sol­len beim Un­ter­schrei­ten kri­ti­scher Schwel­len vor­de­fi­nier­te Mass­nah­men aus­lö­sen. Diese müs­sen den Mit­tel­ab­fluss brem­sen und die Po­li­tik zum Er­ar­bei­ten einer Sa­nie­rungs­vor­la­ge ver­pflich­ten.

Falsch wäre es, ein­fach au­to­ma­ti­sche Bei­trags­er­hö­hun­gen aus­zu­lö­sen. Dies könn­te in einem wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Um­feld zu einer zu­sätz­li­chen Ver­schär­fung der Lage füh­ren. Des­halb müs­sen Ent­schei­de über Bei­trags­er­hö­hun­gen dem Par­la­ment vor­be­hal­ten blei­ben, wäh­rend sich au­to­ma­ti­sche So­fort­mass­nah­men an den vor­han­de­nen Mit­teln zu ori­en­tie­ren haben. Dem ist in der be­vor­ste­hen­den Dis­kus­si­on um die Ein­füh­rung einer Schul­den­brem­se bei IV und AHV Rech­nung zu tra­gen.