«Das Rah­men­ab­kom­men bringt der Schweiz viele Vor­tei­le.»

CNN Money Swit­z­er­land hat bei eco­no­mie­su­is­se-Di­rek­to­rin Mo­ni­ka Rühl nach­ge­fragt, wel­ches der­zeit die gröss­ten Her­aus­for­de­run­gen für die Schwei­zer Wirt­schaft sind. Das Ver­hält­nis der Schweiz zur EU und das in­sti­tu­tio­nel­le Rah­men­ab­kom­men spie­len laut Mo­ni­ka Rühl eine zen­tra­le Rolle.

Im In­ter­view mit CNN Money Swit­z­er­land kon­sta­tiert Mo­ni­ka Rühl, Vor­sit­zen­de der Ge­schäfts­lei­tung von eco­no­mie­su­is­se, wach­sen­de Her­aus­for­de­run­gen für die Wirt­schaft in un­se­rem Land. Die Un­si­cher­hei­ten im Hin­blick auf die Schwei­zer Kon­junk­tur stei­gen. We­sent­li­che Grün­de hier­für sind der Wirt­schafts­krieg zwi­schen den USA und China, ein mög­li­cher No-Deal Brex­it sowie die Ge­fahr einer er­neu­ten Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa. Der Welt­wirt­schaft droht eine Ab­küh­lung, die sich auch dämp­fend auf die Schwei­zer Wirt­schaft aus­wir­ken könn­te.

Als Re­ak­ti­on auf diese Ent­wick­lun­gen hat die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank an­ge­kün­digt, sich dar­auf vor­zu­be­rei­ten, die kurz­fris­ti­gen Zins­sät­ze zu sen­ken und ihr An­lei­he­kauf­pro­gramm wie­der auf­zu­neh­men. Da­durch hat sich der Schwei­zer Fran­ken ge­gen­über dem Euro bis zu­letzt stark auf­ge­wer­tet und ein Zwei­jah­res­hoch er­reicht. Eine wei­te­re Auf­wer­tung des Fran­kens könn­te die Schwei­zer Ex­port­wirt­schaft schwä­chen und somit auch das Wirt­schafts­wachs­tum ne­ga­tiv be­ein­flus­sen.

Das Ver­hält­nis zur EU ist zen­tral für die Schwei­zer Wirt­schaft

Zu­sätz­lich er­schwe­ren die po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen die Ak­ti­vi­tä­ten der Schwei­zer Wirt­schaft. Die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der künf­ti­gen Be­zie­hun­gen zur EU ist wei­ter­hin un­ge­klärt. Eine Ero­si­on der be­ste­hen­den bi­la­te­ra­len Ab­kom­men würde der Schwei­zer Wirt­schaft stark scha­den, da die EU für die Schwei­zer Ex­port­in­dus­trie den mit Ab­stand wich­tigs­ten Markt dar­stellt. Aus­ser­dem kön­nen Straf­mass­nah­men, wie die kürz­lich auf­ge­ho­be­ne An­er­ken­nung der Schwei­zer Börse sei­tens der EU, ein­zel­ne Wirt­schafts­zwei­ge emp­find­lich tref­fen. Gute Be­zie­hun­gen zur EU und zu an­de­ren Han­dels­part­nern sind für die Schwei­zer Wirt­schaft des­halb ele­men­tar.

In­sti­tu­tio­nel­les Rah­men­ab­kom­men ist für die Schweiz äus­serst wich­tig

Die EU ist bei Wei­tem der wich­tigs­te Han­dels­part­ner der Schweiz. Um un­se­re Ar­beits­plät­ze, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und den Wohl­stand der Schweiz zu si­chern, sind sta­bi­le Be­zie­hun­gen zur EU daher un­er­läss­lich. Das aus­ge­han­del­te Rah­men­ab­kom­men ist ein gutes Ab­kom­men. Es er­höht die Rechts­si­cher­heit für hie­si­ge Un­ter­neh­men, ge­währ­leis­tet die Teil­nah­me der Schweiz am EU-Bin­nen­markt und ver­bes­sert die Po­si­ti­on der Schweiz im Falle von Strei­tig­kei­ten oder recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der EU.

Eine öf­fent­li­che Um­fra­ge hat ge­zeigt, dass eine Mehr­heit der Schwei­zer Stimm­be­rech­tig­ten das aus­ge­han­del­te Rah­men­ab­kom­men be­für­wor­ten, un­ge­ach­tet der un­zäh­li­gen My­then, die dar­über exis­tie­ren. Es ist also davon aus­zu­ge­hen, dass auch sie die kla­ren Vor­tei­le des Ab­kom­mens für die Schweiz er­kannt haben.

Wei­te­re zeit­li­che Ver­zö­ge­run­gen ver­stär­ken die Un­si­cher­heit für die Schwei­zer Wirt­schaft und sind des­halb un­vor­teil­haft. Mit dem Füh­rungs­wech­sel an der Spit­ze der EU-Kom­mis­si­on be­steht die Ge­fahr, dass die bis­he­ri­gen Ver­hand­lungs­er­fol­ge wie­der preis­ge­ge­ben wer­den müs­sen. Zudem exis­tiert keine Al­ter­na­ti­ve, wel­che der Schweiz so viele Vor­tei­le ver­schafft wie das aus­ge­han­del­te Ab­kom­men.