Welt­wei­ter Preis für Treib­haus­gas­emis­sio­nen rückt in greif­ba­re Nähe

Der «Kli­ma­st­reik Schweiz» bringt sich be­reits zu Be­ginn des Jah­res wie­der in Po­si­ti­on und legt einen «Kli­maak­ti­ons­plan» vor. Gleich­zei­tig be­wegt sich die Kli­ma­po­li­tik auch in­ter­na­tio­nal schnel­ler denn je: Noch Ende des letz­ten Jah­res haben sich die gröss­ten Wirt­schafts­na­tio­nen zu einem Netto-Null-Ziel und zu einer bes­ser ko­or­di­nier­ten in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit ver­pflich­tet – dar­un­ter auch die Schweiz. Damit bahnt sich zum ers­ten Mal in der Ge­schich­te ein Kli­ma­bünd­nis an, wel­ches das Po­ten­zi­al hat, das Welt­kli­ma wirk­lich zu ver­än­dern.

Wäh­rend der «Druck von der Stras­se» dank des «Kli­ma­st­reiks Schweiz» spür- und sicht­bar wird, wur­den gros­se Be­we­gun­gen in der in­ter­na­tio­na­len Kli­ma­po­li­tik von der brei­ten Öf­fent­lich­keit kaum re­gis­triert. So fan­den auf dem ex­klu­si­ven Kli­ma­schutz­gip­fel der Ver­ein­ten Na­tio­nen Mitte De­zem­ber eine Viel­zahl von Na­tio­nen mit neuen, ge­stei­ger­ten Ziel­set­zun­gen im Kli­ma­schutz zu einer «Ko­ali­ti­on der hohen Am­bi­tio­nen» zu­sam­men. Sie be­grün­de­ten damit ein neues Zeit­al­ter des Mul­ti­la­te­ra­lis­mus – eine Art ex­klu­si­ven «Klima-Club». Mit im Boot ist auch die Schweiz. 

Über­gang zu einer neuen Form des Mul­ti­la­te­ra­lis­mus und der Welt­kli­ma­po­li­tik.

Die An­zahl der Na­tio­nen, die sich ein­hel­lig zu einem Netto-Null-Emis­si­ons­ziel be­ken­nen, ist mit 75 be­acht­lich. Re­le­vant ist aber nicht die An­zahl be­tei­lig­ter Na­tio­nen, son­dern der damit ab­ge­deck­te Fuss­ab­druck beim Han­del und beim Aus­stoss von Treib­haus­ga­sen. Die USA waren am Gip­fel in Form eines Bünd­nis­ses von US-Re­gio­nen mit Dekar­bo­ni­sie­rungs­zie­len ver­tre­ten. Und auch China war be­tei­ligt, was für eine Ko­ali­ti­on zur Koh­len­stoff­neu­tra­li­tät ab­so­lut ent­schei­dend ist. Die Club-Mit­glie­der de­cken damit 65 Pro­zent der welt­wei­ten Emis­sio­nen ab. Auch der Weg zur Um­set­zung der am­bi­tio­nier­ten Ziele wird immer kla­rer: ein ge­mein­sa­mer Koh­len­stoff­preis. Die OECD ar­gu­men­tiert dies­be­züg­lich ge­gen­über sei­nen Mit­glied­staa­ten, dass die Be­prei­sung von Treib­haus­ga­sen die bes­se­re Op­ti­on ist, als die lang­fris­ti­gen Ri­si­ken, die auf­grund stei­gen­der Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren dro­hen. Gleich­zei­tig sieht es bei der Be­prei­sung von Treib­haus­ga­sen ge­mäss der letz­ten OECD-Über­sicht je­doch be­reits deut­lich bes­ser aus, als ge­mein­hin an­ge­nom­men. Zwar be­steht bei den meis­ten Na­tio­nen noch eine Lücke zum an­zu­stre­ben­den Preis (vgl. Gra­fik 4, Seite 5 OECD-Be­richt, 2018), diese Lü­cken ver­klei­nern sich aber kon­ti­nu­ier­lich.

Wir brau­chen die Kraft jedes Ein­zel­nen.

Der «Kli­ma­st­reik Schweiz» hält an die­sem Frei­tag eine di­gi­ta­le Me­di­en­kon­fe­renz mit einer Prä­sen­ta­ti­on ihres «Kli­maak­ti­ons­plans» ab. Ohne die­sen Plan be­reits zu ken­nen, scheint der Grund­te­nor ab­seh­bar. Die Be­we­gung äus­sert in jedem Fall Sor­gen, die es ernst zu neh­men gilt. Es ist zu be­grüs­sen, dass auf die­sem Weg Druck auf die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger aus­ge­übt wird. Be­ein­dru­ckend ist auch die in­ter­na­tio­na­le Ko­or­di­na­ti­on der Be­we­gung, von der die Re­gie­run­gen die­ser Welt nur ler­nen könn­ten. Falsch ist hin­ge­gen die An­nah­me des «Kli­ma­st­reiks», dass eine «Kli­ma­wen­de» (nur) über einen vom Staat or­ches­trier­ten Ak­ti­ons­plan er­fol­gen könne. Im Ge­gen­teil: Wir brau­chen dafür einen welt­wei­ten Preis für Treib­haus­gas­emis­sio­nen und damit glo­bal ver­gleich­ba­re Rah­men­be­din­gun­gen. Die An­rei­ze müs­sen funk­tio­nie­ren, damit die Ent­wick­lung in die ge­wünsch­te Rich­tung geht. Nur so kann echte Wir­kung er­zielt wer­den – dazu braucht es die Kraft jedes Ein­zel­nen.