Zerissene Plakate

Ohne Wer­bung keine Wirt­schaft

Seit ei­ni­gen Jah­ren wird die Wer­bung be­stimm­ter le­ga­ler Pro­duk­te immer mehr ein­ge­schränkt. Dabei geht ver­ges­sen, dass sich staat­li­che Re­gu­lie­rung auf ein Mi­ni­mum zu be­schrän­ken hat, damit sich un­ter­neh­me­ri­sche In­itia­ti­ve ent­fal­ten kann. Es ist nicht Auf­ga­be des Staa­tes, mün­di­gen Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten be­stimm­te Le­bens­wei­sen vor­zu­schrei­ben und den Kon­sum le­ga­ler Pro­duk­te zu steu­ern. Die Wer­be­ver­bot­s­in­itia­ti­ve ist daher klar ab­zu­leh­nen.

Schon die Markt­schrei­er im an­ti­ken Ägyp­ten be­trie­ben Wer­bung. Sie zogen mit ihrer Stim­me die Auf­merk­sam­keit der Pas­san­ten auf sich. Was schon da­mals über den Er­folg oder Miss­er­folg eines Un­ter­neh­mens mit­ent­schie­den hat, gilt auch in der heu­ti­gen Markt­wirt­schaft: Ohne Wer­bung kann sie nicht funk­tio­nie­ren. Ein ge­sun­der Wett­be­werb setzt vor­aus, dass An­bie­ter ihre Pro­duk­te öf­fent­lich an­prei­sen und auf­zei­gen kön­nen, wie sie sich von denen der Kon­kur­renz un­ter­schei­den. Wer ein le­ga­les und frei er­hält­li­ches Pro­dukt auf den Markt bringt, soll mit­tei­len dür­fen, dass es ver­füg­bar ist und seine Vor­zü­ge auf­zei­gen. Des­halb muss Wer­bung er­laubt sein, so­lan­ge sie nicht miss­bräuch­lich oder un­lau­ter ist.

Wer­be­ver­bo­te scha­den der Wirt­schaft

Die Aus­wir­kun­gen von Wer­be­ver­bo­ten sind nicht zu un­ter­schät­zen. So ver­hin­dern sie die po­si­ti­ve Wir­kung, die Wer­bung auf die Kon­su­men­ten und Un­ter­neh­men hat. Wer­bung macht sicht­bar und bie­tet die Mög­lich­keit, sich von an­de­ren Pro­duk­ten ab­zu­he­ben und Un­ter­schie­de auf­zu­zei­gen. Damit för­dert sie die Markt­trans­pa­renz. Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten wer­den über Op­tio­nen ori­en­tiert und kön­nen bes­se­re Kauf­ent­schei­de tref­fen. Aus­ser­dem för­dert Wer­bung die Ab­stim­mung zwi­schen An­ge­bot und Nach­fra­ge und stärkt so den dy­na­mi­schen Wett­be­werb. Wer­be­ver­bo­te hin­ge­gen be­hin­dern Neu­ein­trit­te in den Markt, ze­men­tie­ren Markt­struk­tu­ren und schüt­zen Mo­no­po­lis­ten. Eben­so ver­hin­dern sie In­no­va­tio­nen: Un­ter­neh­men sind nur mo­ti­viert, in For­schung und Ent­wick­lung zu in­ves­tie­ren, wenn sie die Aus­sicht haben, ihre Pro­duk­te ge­winn­brin­gend zu ver­kau­fen. Daher müs­sen sie ein neues oder ver­bes­ser­tes Pro­dukt be­wer­ben und ver­mark­ten kön­nen. Ist dies nicht der Fall, ver­zich­ten sie auf In­no­va­tio­nen. So be­hin­dern Wer­be­ver­bo­te auch den ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt.

Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten brau­chen keine Be­vor­mun­dung

Seit ei­ni­gen Jah­ren be­steht in Tei­len der Po­li­tik, der Öf­fent­lich­keit wie auch der Ver­wal­tung der Trend, Pro­duk­te aus ver­schie­de­nen Mo­ti­ven rund­weg als «schlecht für uns alle» zu ta­xie­ren und ihren Kon­sum per Ge­setz zu re­du­zie­ren oder ihre Be­wer­bung zu ver­bie­ten. Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten brau­chen aber keine Be­vor­mun­dung, denn Wer­bung macht uns nicht zu wil­len­lo­sen Ro­bo­tern. Die mün­di­ge Bür­ge­rin ist selbst in der Lage, sich ein Ur­teil zu bil­den und zu ent­schei­den, wel­che Pro­duk­te sie kon­su­mie­ren möch­te, sei es eine def­ti­ge Wurst oder eine süsse Li­mo­na­de. Un­se­re frei­heit­li­che Ge­sell­schaft be­ruht dar­auf, selbst­be­stimmt und ei­gen­ver­ant­wort­lich ent­schei­den zu kön­nen. Die di­rek­te De­mo­kra­tie lebt davon, dass in­for­mier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sich ihre ei­ge­ne Mei­nung bil­den. Der Schutz der Mei­nungs­frei­heit ist dabei fun­da­men­tal. Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten kön­nen Wer­bung ein­ord­nen und die für sie rich­ti­gen Kauf­ent­schei­dun­gen tref­fen.

Für ef­fek­ti­ven Ju­gend­schutz braucht es keine To­tal­ver­bo­te

Bei einer An­nah­me der Wer­be­ver­bot­s­in­itia­ti­ve am 13. Fe­bru­ar würde Ta­bak­wer­bung in Zei­tun­gen und In­ter­net ge­ne­rell und um­fas­send ver­bo­ten. Dies ist für den Ju­gend­schutz, den die In­itia­ti­ve will, aber gar nicht nötig. Hier­für braucht es keine To­tal­ver­bo­te. Das Par­la­ment hat mit dem neuen und stren­gen Ta­bak­pro­duk­te­ge­setz weit­ge­hen­de Mass­nah­men zum Ju­gend­schutz be­schlos­sen, wel­che bei einer Ab­leh­nung der In­itia­ti­ve so­fort in Kraft tre­ten. Wem es mit Ju­gend­schutz ernst ist, der sagt Nein zur über­schies­sen­den Wer­be­ver­bot­s­in­itia­ti­ve und un­ter­stützt damit den in­di­rek­ten Ge­gen­vor­schlag. Die­ser führt zu Ju­gend­schutz ohne ein to­ta­les Wer­be­ver­bot. Er ist damit auch die rich­ti­ge Ant­wort auf die Frage, wie wir Wer­bung für le­ga­le Pro­duk­te jetzt und in Zu­kunft in un­se­rem Land re­gu­lie­ren wol­len.

Die­ser Ar­ti­kel er­schien in leicht ab­ge­än­der­ter Form im «Per­sön­lich» vom Au­gust 2021.