Autobahn

Staus sind CO₂-Schleu­dern

Das Wich­tigs­te in Kürze:

  • Jähr­lich ste­hen die Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer rund 73 Mil­lio­nen Stun­den im Stau auf Stras­sen, was nach neuen Schät­zun­gen er­heb­li­che Kli­ma­fol­gen haben könn­te - ver­gleich­bar mit 120’000 bis 230’000 Flü­gen von Zü­rich nach New York.
  • Na­tio­nal­stras­sen sind drei­mal flä­chen­ef­fi­zi­en­ter als die Bahn und sol­len bis 2050 ein “grü­nes” Ver­kehrs­mit­tel wer­den. Der Aus­bau der Na­tio­nal­stras­sen ist wich­tig: Er kann Staus re­du­zie­ren und damit auch einen Bei­trag für tie­fe­re Emis­sio­nen leis­ten. 
  • Des­halb braucht es am 24. No­vem­ber ein JA zu In­ves­ti­tio­nen in die Na­tio­nal­stras­sen.

«Wer Stras­sen säht, wird Ver­kehr ern­ten» lau­tet ein land­läu­fi­ges Sprich­wort der Geg­ner des Aus­baus der Au­to­bah­nen, über den die Be­völ­ke­rung am 24. No­vem­ber ab­stim­men wird. Doch die Wahr­heit lau­tet eher «wer Stras­sen schmäht, wird Treib­haus­ga­se ern­ten».

Der ge­plan­te Aus­bau der Na­tio­nal­stras­sen an sechs be­kann­ten Na­del­öh­ren lässt die Wogen hoch gehen. Vom «Au­to­bahn-Wahn» spre­chen die Geg­ner. Doch Fakt ist:

  • Der Ver­kehr auf den Na­tio­nal­stras­sen ist seit 1990 mehr als fünf­mal schnel­ler ge­wach­sen als die Na­tio­nal­stras­sen (+139% vs. +25%). Die Na­tio­nal­stras­sen ma­chen noch immer nur 3 Pro­zent aller Stras­sen­flä­che aus, be­wäl­ti­gen aber 45% des Ver­kehrs. Der Ver­kehr steigt trotz, nicht wegen des (be­schränk­ten) Aus­baus der Stras­sen.
  • Die Stras­se wird spä­tes­tens 2050 ein «grü­nes» Ver­kehrs­mit­tel sein, das wurde mit dem Kli­ma­schutz­ge­setz so be­schlos­sen und die Markt­ent­wick­lung bei der Elek­tro­mo­bi­li­tät geht ein­deu­tig in diese Rich­tung.
  • Na­tio­nal­stras­sen sind mehr als drei­mal flä­chen­ef­fi­zi­en­ter (Per­so­nen­ki­lo­me­ter pro Qua­drat­me­ter) als die Bahn, wel­che üb­ri­gens auch an Ka­pa­zi­täts­gren­zen stösst. Das ist wert­voll für die Bio­di­ver­si­tät. Zudem würde der zu­sätz­li­che Aus­bau der Na­tio­nal­stras­sen deren Flä­che nur um ein Zwei­hun­derts­tel ver­grös­sern.

Ein Punkt, der in der De­bat­te aber oft ver­nach­läs­sigt wird, ist, dass Stau Kli­ma­fol­gen hat. Ge­mäss Be­rech­nun­gen des Bun­des­amts für Raum­ent­wick­lung füh­ren Über­las­tun­gen auf dem ge­sam­ten Stras­sen­netz zu Zeit­ver­lus­ten von 73 Mil­lio­nen Stun­den pro Jahr. Das kos­tet die Schweiz nicht nur fast 340 Fran­ken pro Per­son, son­dern stösst auch sehr viele Treib­haus­ga­se aus. Nach den Schät­zun­gen von eco­no­mie­su­is­se kon­kret bis zu140-250 Mil­lio­nen Ki­lo­gramm CO2. Zum Ver­gleich: Das wäre etwa so viel wie 120'000 bis 230'000 Flüge von Zü­rich nach New York. Oder in an­de­ren Wor­ten: Stau ver­ur­sacht etwa so viel CO2, wie wenn wir ganz Basel nach New York flie­gen las­sen wür­den.

Die Au­to­bah­nen sind am Limit. Nur 5.3% mehr Fahr­leis­tun­gen haben zu einer Ver­dopp­lung der Stau­stun­den ge­führt. Diese Ent­wick­lung darf nicht so wei­ter­ge­hen, wir müs­sen etwas gegen den Stau un­ter­neh­men. Nicht zu in­ves­tie­ren, würde die Si­tua­ti­on ver­schlim­mern und die ex­ter­nen Kos­ten des Ver­kehrs wei­ter an­stei­gen las­sen. Es ver­schwin­den keine Autos ma­gisch von der Stras­se, weil die In­fra­struk­tur ver­lot­tert. Der End­ef­fekt für das Klima wird je­doch davon ab­hän­gen, wie sich Stau und Ver­kehr in der Rea­li­tät ent­wi­ckeln. Aber mit der Stau­re­duk­ti­on gibt es auch ein wich­ti­ges Ar­gu­ment, dass die Kli­ma­schä­den durch den Ver­kehr re­du­ziert wer­den kön­nen. 

Zur Me­tho­dik

Be­rech­nung des CO2 Ver­brauchs ba­sie­rend auf Stau­stun­den und Ver­brauch von fos­si­len Autos unter Be­rück­sich­ti­gung des ak­tu­el­len E-Mo­bi­li­täts­an­teils. Nicht be­rück­sich­tigt wurde (würde die Schät­zung eher er­hö­hen): die Ver­tei­lung von Schwer­ver­kehr, Die­sel, Mehr­ver­brauch bei tie­fen Ge­schwin­dig­kei­ten; (würde die Schät­zung sen­ken): Hy­brid­an­trie­be, in­di­vi­du­el­les Fahr­ver­hal­ten (bspw. Ab­stell­ver­hal­ten bei Still­stand), We­ni­ger­ver­brauch bei klei­nen Ge­schwin­dig­keits­re­duk­tio­nen. Hin­weis: Ge­schätzt wird der CO2 Ver­brauch des Staus auf dem gan­zen Stras­sen­netz. Wie viel we­ni­ger CO2 bei Um­set­zung der STEP-Vor­la­ge emit­tiert wird, hängt von wei­te­ren Fak­to­ren ab (bspw. ver­blei­ben­de Stau­stun­den, An­pas­sung der Ge­schwin­dig­keit und Rou­ten­wahl), die vor­lie­gend nicht ab­ge­schätzt wer­den kön­nen.

Me­trik An­nah­me Quel­le
Über­las­tun­gen in Folge Stau, ge­sam­tes Stras­sen­netz 73 Mil­lio­nen Stun­den pro Jahr ARE
Kos­ten in Folge Über­las­tung, ge­sam­tes Stras­sen­netz 3 Mrd. CHF ARE
Ver­brauch von fos­si­len Autos 0.8-1.5l pro Stun­de Leer­lauf TÜV
Emis­sio­nen pro Liter 2.4kg CO2 On­line
Emis­sio­nen pro Flug ZRH-NYC 1.1t, Ein­weg My­Cli­ma­te
An­teil E-Mo­bi­li­tät 3.3% BFS