Wer sich hingebungsvoll um seinen Garten kümmert, wird in Blumen- und Gemüsebeeten kaum Erde ausbringen wollen, die das Klima belastet und die Natur schädigt. Noch heute enthalten viele Blumenerden aber Torf, mit dem ihre Fruchtbarkeit gesteigert werden soll. Beim Abbau von Torf werden Hochmoore zerstört, die für diverse Pflanzen- und Tierarten von grosser Bedeutung sind. Der Torfabbau ist auch in anderer Hinsicht äusserst problematisch: Es wird dabei sehr viel CO2 freigesetzt. Bis zu 50 Prozent des Gewichts macht der im Torf gespeicherte Kohlenstoff aus.
RICOTER hat viel Zeit und Geld in Forschung und Entwicklung von Blumenerden auf Basis recycelter Rohstoffe investiert. Seit Jahrzehnten bietet die Firma Erden an, in denen Torf wenn immer möglich durch klimafreundliche Zusätze wie beispielsweise Holzfasern ersetzt wird. In den letzten zehn Jahren erreichte man ein weiteres hoch gestecktes Ziel: Mittlerweile kann bei der Produktion der über 50 verschiedenen Erden ganz auf fossile Brennstoffe zur Trocknung verzichtet werden.
Aus Schlamm wird hochwertige Blumenerde Wenn nach der Ernte Zuckerrüben zur Verarbeitung in den Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld AG eintreffen, sind sie von einer Erdschicht überzogen. In einem ersten Schritt müssen die Rüben deshalb gereinigt werden. Die abgewaschene Erde vermischt sich mit dem Wasser zu einem Schlamm, den man Rübenwascherde nennt. Getrocknet ist dieser einer der Grundbausteine der RICOTER-Erden. Diese Wiederverwertung zur Herstellung von Blumenerden ist in Europa einzigartig.
Bis vor einigen Jahren wurde die Rübenwascherde zur Trocknung in Zentrifugen geschleudert. Dadurch konnte ein Trockensubstanzgehalt von 50 Prozent erreicht werden. Um den Wasseranteil bis auf 20 Prozent verdampfen zu lassen, wurde die Masse dann in Trommeltrocknern erhitzt. Die Energie dazu lieferte Erdgas. Bei der Beheizung mit Erdgas wurde der allergrösste Anteil der CO2-Fracht freigesetzt, die bei RICOTER anfiel.
Pressen statt schleudern Als das Unternehmen beschloss, seinen CO2-Ausstoss zu reduzieren, wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Effizienz der nicht-thermischen Trocknung zu steigern. Man ersetzte die Zentrifugen durch Membrankammerfilterpressen. Dadurch sollte ein höherer Gehalt an Trockensubstanz erreicht werden, als dies mit den Zentrifugen möglich gewesen war. Und tatsächlich liess sich der Erdgasverbrauch nach 2001, als die vierte Presse installiert worden war, von Jahr zu Jahr senken.
Durch das Pressen betrug der Trockensubstanzgehalt bald 65 Prozent. Weitere Massnahmen wie die Zugabe von Flockungsmitteln und eine Weiterentwicklung der Pressen führten dazu, dass nach dem Pressvorgang nur noch 25 Prozent Wasser in der Rübenwascherde enthalten waren. Der Erdgasverbrauch, der im Jahr 2000 noch 3090 MWh/a betragen hatte, konnte drastisch reduziert werden.
Überdachen statt heizen Im Jahr 2010 lag der Erdgasverbrauch nur noch bei 83 MWh/a. Und diese fielen bei der Gebäudeheizung und Warmwasserproduktion an und nicht mehr bei der Erdtrocknung. RICOTER hatte zwei Jahre zuvor rund 2 Millionen Franken in eine grosse Dachfläche investiert. „Die Rübenwascherde fällt im Herbst während der Verarbeitung der Zuckerrüben an. Der Verkauf der RICOTER-Produkte erfolgt vor allem im Frühling. Die Lagerung der weitgehend entwässerten Erde unter Dach verhindert eine Wiedervernässung und ermöglicht ein natürliches Nachtrocknen bis zur erforderlichen Trockensubstanz von 80 Prozent. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe ist nicht mehr erforderlich“, erklärt RICOTER-Geschäftsführer Herbert Würsch.
Mit den geschilderten Massnahmen hat RICOTER die im Rahmen des CO2-Gesetzes vereinbarten Ziele weit übertroffen. In einem Jahrzehnt reduzierte die Firma ihren jährlichen CO2-Ausstoss von 639 Tonnen auf 16 Tonnen. 2010 lag die Energieeffizienz bei 250 Prozent. RICOTER wurde von den Abgaben befreit und kann heute überschüssige CO2-Zertifikate an die Stiftung Klimarappen verkaufen. |