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28.04.2011
Wie vier Pressen und ein Dach fossile Brennstoffe ersetzen
Zwi­schen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 hat die Firma RICO­TER ihre CO2-Emissionen um 97 Pro­zent ge­senkt. Diesen Erfolg ver­dankt das Unternehmen mit Stand­or­ten in Frau­enfeld und Aarberg dem Verzicht auf thermi­sche En­ergie bei der Trock­nung von Rüb­enwa­scherde.

Wer sich hingebungs­voll um sei­nen Gar­ten kümmert, wird in Blumen- und Gemüsebee­ten kaum Erde aus­brin­gen wol­len, die das Kli­ma be­las­tet und die Natur schädigt. Noch heu­te ent­hal­ten viele Blumen­er­den aber Torf, mit dem ihre Fruchtbarkeit ge­stei­gert wer­den soll. Beim Ab­bau von Torf wer­den Hoch­moore zerstört, die für diverse Pflan­zen- und Tier­ar­ten von gros­ser Bedeu­tung sind. Der Torfabbau ist auch in an­de­rer Hinsicht äusserst pro­blematisch: Es wird dabei sehr viel CO2 frei­gesetzt. Bis zu 50 Prozent des Gewichts macht der im Torf ge­spei­cher­te Koh­len­stoff aus.

RICO­TER hat viel Zeit und Geld in For­schung und Ent­wicklung von Blumen­er­den auf Basis recycel­ter Rohstoffe inves­tiert. Seit Jahrzehn­ten bietet die Firma Er­den an, in denen Torf wenn im­mer möglich durch kli­maf­reundli­che Zusät­ze wie bei­spielsweise Holzfasern ersetzt wird. In den letz­ten zehn Jah­ren erreich­te man ein weite­res hoch ge­steck­tes Ziel: Mittlerweile kann bei der Pro­dukti­on der über 50 ver­schiede­nen Er­den ganz auf fossile Brennstoffe zur Trock­nung verzich­tet wer­den.

Aus Schlamm wird hochwertige Blumenerde
Wenn nach der Ern­te Zuckerrü­b­en zur Ver­arbei­tung in den Zu­ckerfabriken Aarberg und Frau­enfeld AG ein­treffen, sind sie von ei­ner Erd­schicht überzogen. In ei­nem ers­ten Schritt müs­sen die Rü­b­en de­shalb ger­einigt wer­den. Die abgewa­schene Erde vermischt sich mit dem Was­ser zu ei­nem Schlamm, den man Rüb­enwa­scherde nennt. Getrocknet ist dieser ei­ner der Grundbau­stei­ne der RICO­TER-Er­den. Diese Wiederverwer­tung zur Her­stellung von Blumen­er­den ist in Eu­ropa einzig­artig.

Bis vor einigen Jah­ren wurde die Rüb­enwa­scherde zur Trock­nung in Zentrifugen ge­schleudert. Dadurch konnte ein Tro­ckensubstanzge­halt von 50 Prozent erreicht wer­den. Um den Was­ser­an­teil bis auf 20 Prozent ver­dampfen zu las­sen, wurde die Masse dann in Trommelt­rocknern erhitzt. Die En­ergie dazu liefer­te Erdgas. Bei der Beheizung mit Erdgas wurde der allergrösste An­teil der CO2-Fracht frei­gesetzt, die bei RICO­TER anfiel.

Pres­sen statt schleudern
Als das Un­ternehmen beschloss, sei­nen CO2-Aus­stoss zu reduzie­ren, wurde nach Möglichkei­ten gesucht, die Effizi­enz der nicht-thermi­schen Trock­nung zu stei­gern. Man ersetzte die Zentrifugen durch Membrankammerfilter­pres­sen. Dadurch sollte ein höhe­rer Ge­halt an Tro­ckensubstanz erreicht wer­den, als dies mit den Zentrifugen möglich ge­wesen war. Und tatsächl­ich liess sich der Erdgasver­brauch nach 2001, als die vier­te Presse in­stalliert wor­den war, von Jahr zu Jahr senken.

Durch das Pres­sen betrug der Tro­ckensubstanzge­halt bald 65 Prozent. Weite­re Massnah­men wie die Zugabe von Flockungs­mit­teln und ei­ne Weiter­entwicklung der Pres­sen führ­ten dazu, dass nach dem Pressvor­gang nur noch 25 Prozent Was­ser in der Rüb­enwa­scherde ent­hal­ten wa­ren. Der Erdgasver­brauch, der im Jahr 2000 noch 3090 MWh/a be­tra­gen hatte, konnte dras­tisch reduziert wer­den.

Überda­chen statt hei­zen
Im Jahr 2010 lag der Erdgasver­brauch nur noch bei 83 MWh/a. Und die­se fie­len bei der Gebäudeheizung und Warmwas­ser­pro­dukti­on an und nicht mehr bei der Erd­trock­nung. RICO­TER hatte zwei Jah­re zuvor rund 2 Mil­lionen Franken in ei­ne grosse Dach­fläc­he inves­tiert. „Die Rüb­enwa­scherde fällt im Herbst wäh­rend der Ver­arbei­tung der Zuckerrü­b­en an. Der Verkauf der RICO­TER-Pro­dukte erfolgt vor al­lem im Frühl­ing. Die La­gerung der weitgehend ent­wässer­ten Erde un­ter Dach verhindert ei­ne Wiedervernässung und ermöglicht ein natürli­ches Nach­trocknen bis zur erforderli­chen Tro­ckensubstanz von 80 Prozent. Die Ver­bren­nung fossiler Brennstoffe ist nicht mehr erforderlich“, erklärt RICOTER-Geschäftsführer Herbert Würsch.

Mit den geschilderten Massnahmen hat RICO­TER die im Rah­men des CO2-Geset­zes ver­einbar­ten Ziele weit übertroffen. In einem Jahrzehnt reduzier­te die Firma ihren jährlichen CO2-Ausstoss von 639 Tonnen auf 16 Tonnen. 2010 lag die En­ergie­effizi­enz bei 250 Prozent. RICO­TER wurde von den Abga­ben befreit und kann heu­te über­schüssige CO2-Zertifikate an die Stif­tung Kli­marappen verkau­fen.

Ansprechpersonen
Dr.  Philipp Bauer
Projektleiter Aussenwirtschaft
philipp.bauer@economiesuisse.ch
Prof. Dr. Rudolf Minsch
Mitglied der Geschäftsleitung
rudolf.minsch@economiesuisse.ch
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